Laurenz Berges

„Begegnungen“ – Fotografien von Evelyn Hofer in der Kunsthalle Cloppenburg

 

Vom 4. Oktober bis zum 8. November 2020 wird in der Kunsthalle Cloppenburg eine hochkarätige Ausstellung mit Arbeiten der Fotografin Evelyn Hofer (1922-2009) gezeigt. 

Das Werk der deutsch-amerikanischen Künstlerin repräsentiert eine der wichtigsten weiblichen Positionen der jüngeren Fotografiegeschichte. Ihre Motive fand Evelyn Hofer auf ausgedehnten Städtereisen z.B. nach Florenz, Dublin und natürlich in New York, wo sie lange Zeit lebte. Eine Auswahl ihrer Arbeiten ist in der Ausstellung „Evelyn Hofer – Begegnungen“ zusammengeführt. 

Der aus Cloppenburg stammende Künstler Laurenz Berges, der selbst ein eindrucksvolles fotografisches Werk geschaffen hat, war im Jahr 1989 Assistent bei Evelyn Hofer. Mit ihm sprach Dr. Martin Feltes. Er ist Vorsitzender des Kunstkreises Cloppenburg, der gemeinsam mit der Stadt Cloppenburg und der Katholischen Akademie diese prominente Ausstellung organisiert hat.

Wie wird man Assistent bei Evelyn Hofer? Wie ist der Kontakt zustande gekommen?

Ich studierte noch an der Universität Essen mit dem Schwerpunkt Fotografie. 1988 sprach mich meine Professorin auf dieses Angebot eines Assistenzjahres bei Evelyn Hofer an. Das war natürlich für mich eine Herausforderung – ein Jahr nach New York! Es fand ein Treffen mit Evelyn Hofer in München statt, wo ich ihr meine Arbeiten zeigen konnte. Schon schnell merkten wir: die Chemie stimmt zwischen uns und wir wurden handelseinig.

Was für ein Mensch was Evelyn Hofer?

Sie war eine eindrucksvolle Persönlichkeit, die genau wusste, was sie wollte. Ich erlebte sie als eine natürliche Autorität, die Kraft und Energie ausstrahlte. Weiterhin hat mich vor allem ihr so umfangreiches Wissen fasziniert. Sie war bewandert in Malerei, Literatur, Philosophie und Psychologie. Und diese interdisziplinäre Neugier spiegelt sich auch in ihrer Fotografie. Und besonders die Beschäftigung mit der Malerei hat ihren fotografischen Blick geschult.

Was sind die Wesensmerkmale ihrer Arbeiten?

Diese Frage kann ich mit drei Stichworten beantworten: Langsamkeit, Verdichtung, Essenz. Nicht das Flüchtige und Spontane interessierte sie, sondern das Kalkulierte und Durchdachte. Sie hat ihre Arbeiten wie ein Maler komponiert und alle Zufälligkeiten eliminiert. Sie wollte in ihren Fotografien das Motiv auf das Wesentliche konzentrieren. Das kann z.B. die Sinnlichkeit der Oberfläche einer leuchtenden Orange sein, oder aber auch die nichtsichtbare Persönlichkeit eines fotografierten Menschen. Es geht immer um die Essenz!

Porträtfotografie ist das Stichwort. Warum sehen ihre Porträts nie gestellt aus?

Wieder die Stichworte: Langsamkeit, Verdichtung, Essenz. Bei jedem Porträtauftrag hat Evelyn Hofer sich im Vorfeld intensiv mit dem fotografierten Menschen auseinandergesetzt. Sie erkundete das Lebensumfeld, fragte nach Interessen und machte sich so ein Bild von ihren Modellen. Und diese Eigenschaften versuchte sie – wieder mit dem Blick auf das Wesentliche – in ihren Porträts zum Ausdruck zu bringen.

Was hast Du als Assistent bei Evelyn Hofer für deine fotografische Arbeit gelernt?

Ich habe gelernt, ein Bildmotiv im Vorfeld zu durchdenken, Skizzen zu machen, Ideen aufzuschreiben und mich an die Ausführung einer Bildidee langsam heranzutasten. Es gilt, ein Motiv mit seiner Inhaltlichkeit zu durchdringen und eine überzeugende Komposition zu erarbeiten. Nie darf die Frage aus dem Auge verloren werden: Warum fotografiere ich dieses Motiv? Was ist mein künstlerisches Interesse?

Eine letzte Frage: Wann wird Fotografie eigentlich zur Kunst?

Diese Frage stellt sich mir eigentlich nicht. Wir sollten uns von dem Zwang befreien, alles kategorisieren und in Schubladen einordnen zu wollen. Es gibt gute Kunst und schlechte Kunst. Und das gilt auch für die Fotografie. Es geht eigentlich immer nur um das gelungene Bild.

Foto: Andreas Heidkamp

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