Achilleus

„Kultur bezeichnet im weitesten Sinne alles, was der Mensch selbstgestaltend hervorbringt – im Unterschied zu der von ihm nicht geschaffenen und nicht veränderten Natur.“

So kann man bei Wikipedia, der großen Internet-Enzyklopädie, nachlesen. Der lateinische Begriff „cultura“ bedeutet soviel wie Bebauung, Bearbeitung, Bestellung und Pflege. Dazu gehört eben auch die Pflege der geistigen Güter. Dazu gehört unsere Sprache, ebenso die Wissenschaften, aber auch die darstellende Kunst und die Musik in all ihren Formen.

Die Bedeutung der Kultur wird anschaulich beschrieben durch den niederländisch-französischen Wissenschaftler Alfons Trompenaars: „Ein Fisch spürt erst dann, dass er Wasser zum Leben braucht, wenn er nicht mehr darin schwimmt. Unsere Kultur ist für uns wie das Wasser für den Fisch. Wir leben und atmen durch sie.“

Seit Beginn der Corona-Pandemie im März 2020 merken immer mehr Menschen, dass ihnen die Kultur und das Erlebnis von Kultur fehlt. Kein Besuch im Museum, kein Theaterstück, kein Kabarett, kein Konzert, keine Lesung mehr…

Künstler haben weitgehend den Kontakt mit ihrem Publikum verloren und das Publikum sehnt sich seit Monaten nach gemeinsamen kulturellen Veranstaltungen mit Freunden und Bekannten. Das wird jedoch auch für die nächsten Monate wohl nicht möglich sein, denn der Lockdown für Theater und Museen wurde gerade bis 10. Januar 2021 verlängert.

Wer Kultur erleben will, muss sich daher anderweitig umschauen. Tatsächlich hat die Verzweiflung über den Stubenarrest dazu geführt, dass sich die Menschen mehr in den Mediatheken der Fernsehanstalten bedient haben. Schon im März, gleich zu Anfang der Einschränkungen stieg die Fernsehnutzung um 10 Prozent und auch die Nutzung von Streamingdiensten wie Netflix erfreut sich steigender Nachfrage dank Corona. Allein im ersten Halbjahr konnte Netflix 26 Millionen neue Abonnenten gewinnen und der Kurs der Aktie stieg seit Jahresbeginn um sagenhafte 60%!

Viele Künstler haben in der kulturarmen Zeit ihr eigenes Wohnzimmer zur Bühne gemacht und bieten „Wohnzimmer-Konzerte“. Inzwischen sind auch die Berliner Philharmoniker mit professionellen Live-Übertragungen ihrer Konzerte ohne Publikum regelmäßig im Internet in der „Digital Concert Hall“ und sogar das London Symphony Orchestra erklingt online.

Ist das noch Kunst und Kultur?

Manche befürchten offenbar das Schlimmste für „die ganze schöne Kunst, wenn sie in der Körperlosigkeit des digitalen Vakuums entweicht“ (taz, 11.04.20). Trotzdem lobt die „taz“ die Twitter-Hauskonzerte des Pianisten Igor Levit, der in Jeans und Turnschuhen am Klavier stundenlang Stücke zu Übungszwecken spielt, was er ohnehin täglich macht.

Was natürlich fehlt ist die Interaktion mit dem Orchester, dem Dirigenten, dem Publikum! Zwar ist Online-Unterricht z.B. für Querflöte möglich, wie mir Gudrun Wagner bestätigte, als sie im Kulturbahnhof für eines unserer sechs Advents-Videos live spielte. „Aber ich kann nicht genau hören ob meine Schülerin wirklich gut klingt, sondern nur sehen, ob sie richtig spielt.“ Es fehlt die physische Nähe, um die Musik und das Flötenspiel wirklich zu erleben.

In Corona-Zeiten werden Konzert und Theater gerade deshalb so vermisst, weil beide eben nicht Teil des Alltags sind. Sie sind auch keine Unterhaltung oder Zerstreuung. Vielmehr schaffen sie Erfahrungen außerhalb des Alltäglichen. Dadurch hilft Kultur, uns selbst zu erkennen, Verständnis und Toleranz zu entwickeln.

Kultur jenseits des Alltags - geht das auch online?

Das können Sie sich selbst am besten beantworten: Fesselt Sie ein Film so sehr, dass Sie davon gepackt werden und für eine Weile die Welt um sich herum vergessen können? Haben Sie mal einen schlechten Tag, an dem Musik Sie auf bessere Gedanken bringt und Sie vergessen lässt?

Machen Sie doch mal einen Versuch: Besuchen Sie unsere Webseite www.kulturbahnhof-cloppenburg.de und schauen Sie in unseren Blog. Dort finden Sie die ersten zwei Videos von Live-Auftritten zu Advents, Weihnachten und Neujahr.

„Gitman“ alias Karsten Bölting ist seit dem 1. Advent online abrufbar.

Esther Filly und Dethy Borchardt sind am 2. Advent für Sie und für artige Kinder online da!

Am 3. Advent können Sie sich schon auf die Band Captain Candy freuen.

Am 4. Advent wird’s besinnlich mit Gudrun Wagner (Querflöte) und Konstanze Kuß (Harfe).

Der 1. Weihnachtstag bringt ein Märchen, erzählt von Dr. Heinrich Dickerhoff mit musikalischer Illustration durch Ludwig Kleinalstede (Klavier).

Zu Neujahr erleben Sie SySanLi, ein Gospel-Pop Trio aus drei charmanten Damen.

Kultur 2.0 – Sie sind dran!

Wir hoffen, dass Ihnen unser Kulturangebot im Advent gefällt. Vielleicht ist es ein Angebot, das wir noch anpassen und sicher auch verbessern können. Deshalb wollen wir nachfragen. Wie hat es Ihnen gefallen? Was fanden Sie besonders gelungen? Was erwarten Sie im nächsten Jahr? 

Anfang des neuen Jahres werden Sie eingeladen, sich an der Befragung – natürlich online – zu beteiligen. Wir hoffen, viele machen mit, damit Sie auch in Zukunft attraktive Themen und Veranstaltungen in Ihrem Kulturbahnhof entdecken können.

Bis dahin wünschen wir Ihnen alles Gute, eine stimmungsvolle Vorweihnachtszeit und viel Freude mit Kultur 2.0!

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