Stefan Waghubinger
Stefan Waghubinger wurde in Steyr in Österreich geboren, hat in Deutschland Theologie studiert und lebt seit 1993 in Stuttgart. Seit 2009 tritt er als Kabarettist auch bei ARD, ZDF und im BR auf und hat seither viele renommierte Preise mit seinen Solo-Auftritten gewonnen. In der Laudatio bei der Verleihung des Stuttgarter Besens im Jahr 2011 erhielt er besonderes Lob: „Stefan Waghubinger jammert auf höchstem (Bildungs-) Niveau. Theologisch versiert zelebriert er seine schwarze Messe. Diese Comedy ist anbetungswürdig und zum Niederknien.“

Stefan Waghubinger hätte vor Kurzem seinen Auftriit im Kulturbahnhof gehabt, der leider wegen Corona bereits zum zweiten Mal abgesagt werden musste. Wie geht es Künstlern, die seit einem Jahr kaum einen Auftritt hatten? Ich habe bei Stefan Waghubinger nachgefragt und freue mich über seine offenen und ehrlichen Antworten:

Wie geht es Ihnen derzeit?

Eine interessante Frage. Mir geht es nicht schlecht, aber fast möchte ich sagen, dass ich sie erst richtig beantworten kann, wenn ich wieder mehr unter Leuten sein werde. Ich hätte das nicht von mir gedacht, aber scheinbar brauchen wir als soziale Wesen selbst für diese Frage die Spiegelung unserer Mitmenschen. 

Was war für Sie besonders interessant am Corona-Geschehen in letzter Zeit? 

Wie sehr wir Menschen uns an Änderungen gewöhnen können. Vor einigen Tagen kam ich aus einem Kiosk und habe mich danach gefragt, ob der Verkäufer eigentlich eine Maske getragen hatte. Natürlich hatte er, das wusste ich auch, aber mir fiel auf, dass sie mir nicht mehr auffiel. 

Haben Sie schon Corona-Tests gekauft und in welchen Fällen würden Sie sie einsetzen?

Da ich in Deutschland wohne, meine Lebenspartnerin in der Schweiz und meine Eltern in Österreich musste ich mehrmals die Grenzen überqueren. Ich habe mich immer streng an die Hygieneregeln gehalten, aber musste dadurch schon mehrfach Tests machen. In der Vergangenheit hatte ich mir zweimal das Nasenbein gebrochen, so dass Stäbchen in der Nase für mich aber keine neue Erfahrung sind. 

Was möchten Sie am liebsten tun, wenn die Lockerungen es wieder erlauben?

Meine Eltern in Österreich sind in keinem guten gesundheitlichen Zustand. Ohne Planung schnell vorbei zu schauen, wann immer es die Zeit erlaubt.

Sollten Geimpfte wieder ins Restaurant, Theater oder ins Fitness-Studio dürfen?

Da immer klarer wird, dass von Geimpften kaum die Gefahr ausgeht, das Virus zu verbreiten würde ich sagen, auf jeden Fall! Seien wir ehrlich, wer über 80 ist und noch fit genug an den oben genannten oder sonstigen Aktivitäten teilzunehmen, weiß doch nie, wie lange sie oder er das noch sein wird. Da zählt „noch ein Jahr warten“ stärker als bei noch jüngeren Menschen. Allen anderen sei es auch gegönnt, vor allem den Einrichtungen, die ja auch Besucher angewiesen sind. 

Wann erwarten sie, dass Reisen wieder möglich sein werden?

Wenn die europäischen Länder bei den Impfungen gute Fortschritte machen und das auch an einem weiteren Rückgang der Erkrankungen deutlich wird, wird vielleicht die Quarantänepflicht nach Reiserückkehr durch eine reine Testpflicht ersetzt. Dann wären Reisen innerhalb Europas schon in diesem Sommer kein Problem.

Gibt es in Ihrem Alltag Veränderungen, die Sie auch nach der Pandemie beibehalten wollen?

Meine Treffen, gerade mit alten Freunden, waren früher eher zufällig. Da fast alle weit entfernt wohnen, habe ich dadurch manche jahrelang oder Jahrzehnte lang nicht gesehen. In dieser Zeit nun, in der ein Gespräch ohnehin nur telefonisch möglich ist, sind plötzlich alle gleich weit oder nahe entfernt. Dadurch überlege ich bewusster, mit wem ich mal wieder Kontakt haben möchte. Das würde ich gerne nach der Pandemie in echt beibehalten. 

Was hat Sie im Zusammenhang mit Corona besonders verärgert?

Da gab es schon einiges. Aber besonders hat mich der Umgang miteinander oder gegeneinander in den sozialen Medien gestört. 

Welche positiven Entwicklungen sehen Sie, die Sie hoffnungsfroh stimmen?

Ich kann schon alleine beruflich nur auf die Impfungen hoffen und da sieht es ja inzwischen schon ganz gut aus. Alle anderen Hygienemaßnahmen, so notwendig sie sind und waren, lassen auf Dauer kaum einen lebendigen Theaterbetrieb zu. Hoffnungsvoll stimmen mich auch die Entwicklungen verschiedener Impfstoffe auf der ganzen Welt, so dass diese Krise irgendwann ganz überstanden sein wird und die Menschheit der nächsten Pandemie gewappneter begegnen kann. Es wird ja auch Zeit sich wieder um die sonstigen Probleme, wie z.B. dem Klima zu widmen und vor allem auch den schönen Dingen des Lebens. 

Wird das Leben nach Corona wieder normal werden? Und wann?

Als damals von Christo der Reichstag in Berlin für einige Wochen verhüllt wurde und danach die Verhüllung wieder entfernt wurde, hat man das Gebäude für einige Zeit wieder ganz neu gesehen. So eine Normalität wünsche ich mir für die Zeit danach. Es muss und wird vermutlich nicht alles anders werden, aber neben all dem Negativen an der Pandemie haben wir vielleicht die Chance die frühere Normalität wieder neu zu sehen und selbstbestimmt zu entscheiden, welchen Platz wir darin einnehmen möchten. 

Übrigens können Sie einen Ausszug aus dem Programm "Jetzt hätten die guten Tage kommen können" hier ansehen.

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