Covid-19 hat Künstler und Kulturschaffende gebeutelt: Seit März 2020 ist die Mehrheit fast ohne Einkommen und froh, dass jetzt endlich wieder Veranstaltungen stattfinden können. Aber wo bleibt das Publikum? Sind alle voll Angst und Panik? Warum eigentlich? So kann es doch nicht ewig weitergehen...

Inzwischen sind 86% der über 60-jährigen geimpft, während 67% der 18- bis 59-jährigen geimpft wurden und von Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren sind immerhin schon 37% wenigstens einmal geimpft. Insgesamt sind also 70% der Bevölkerung ab 12 Jahren sicher vor einem schweren Verlauf. Diese Menschen sollten so schnell wie möglich ihre Freiheitsrechte zurückbekommen und ohne Sorge miteinander feiern dürfen.

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Das Risiko, sich mit Corona zu infizieren ist im Supermarkt höher als bei einem Besuch im Theater, weil im Theater nach der 3G-Regel nur Geimpfte, Genesene oder Getestete Zutritt erhalten. Trotzdem haben viele Theaterbesucher offenbar Angst und daher läuft der Ticketverkauf schleppend.

Die Angst wird wohl auch geschürt, weil sich kürzlich in Münster während einer Party mit 380 Gästen dutzende Menschen mit Covid-19 infiziert haben, obwohl der Zutritt sogar nur für Geimpfte und Genesene – also nach 2G-Regel – erlaubt wurde.

Wissenschaftler haben dieses Geschehen untersucht und in der „Welt“ vom 14.09.21 wird über deren Erkenntnisse berichtet: 

 In Münster kam es offensichtlich zu Impfdurchbrüchen, die im aktuellen Lagebericht des RKI als sehr selten bezeichnet werden: Seit Februar sind bei über 50 Millionen vollständig geimpften Menschen insgesamt 30.880 wahrscheinliche Impfdurchbrüche registriert worden. Das sind gerade mal 0,006 Prozent der Geimpften!

Der Virologe Christian Drosten hat das Beispiel eines Konzertes in der Elbphilharmonie durchgespielt, das nach der 3G-Regel besucht werden kann. Es sei nicht so, dass „dann die Katastrophe passiert“, wenn lauter Geimpfte in einer Aufführung eng beieinandersäßen und einer von ihnen doch mal ein Virus einschleppt. „Weil die alle geimpft sind, ist die Übertragung schon ganz schön eingedämmt.“ Es sei in diesem Fall zwar auch so, dass „einzelne Leute“ das Virus mit nach Hause bringen und dort noch jemand anderen infizieren. „Aber auch dort, in einer geimpften Bevölkerung, sind diese Infektionsketten auch wieder begrenzt.“ 

Der Professor für Medizinische Epidemiologie, Rafael Mikolayczyk, weist darauf hin, dass infizierte Geimpfte nur für kurze Zeit das Virus weitergeben. Er sagt, dass die Mischung der Personen, die unter der 3G-Regel zusammenkommen, dazu führt, dass die meisten Menschen, die einen umgeben, eben nicht ansteckend sind. „Absolute Sicherheit gibt es nicht“, sagte er „man muss da pragmatisch mit umgehen.“

Der Leiter des Krisenstabs aus Münster, wo die wilde Party stattgefunden hat, stellt fest: „Die vorliegende Ansteckungsserie bestätigt noch einmal die enorme Bedeutung der Schutzimpfung. Für Ungeimpfte ist das ein echtes Problem.“

Sollten wir also vor lauter Angst jede Party und sogar den Theaterbesuch vermeiden?

Lieber nicht, denn Angst macht etwas mit unseren Gehirnen, verändert unser Verhalten, und zwar häufig mit fatalen Folgen…

Die Neurowissenschaftlerin Maren Urner erklärt, was wir dagegen tun können:

Angst und Unsicherheit versetzen uns in Stress. Dauerstress, den es gerade wegen der vielen Krisen gibt – Corona, Klima, Afghanistan, Wohnungsnot – fördert zahlreiche Krankheiten, Schlafstörungen und psychische Erkrankungen.

Um das zu verhindern, empfiehlt die Wissenschaftlerin, müssen wir unsere Perspektive verändern. Statt Angst brauchen wir Mut, der uns hilft, aus dem Stress herauszukommen. Angst ist sicher ein probates Mittel unseres Körpers, uns am Leben zu erhalten. „Es ist aber nicht die adäquate Reaktion auf Unsicherheit, erst recht nicht, wenn sie zum Dauerzustand wird. Wir müssen erkennen, dass nur eines sicher ist: die Unsicherheit. Und das sich all das auch noch richtig gut anfühlt, wenn wir es zulassen.“

Statt uns also weiter wie Angsthasen zu verhalten, sollten wir die alten und bekannten Freuden wiederbeleben – uns mit Freunden und Gleichgesinnten treffen und gerade jetzt ins Kabarett gehen. Denn dort wird uns klar, dass es außer Krisen, Angst und Stress auch noch Spaß und viele Gründe gibt, Mut zu haben und uns am Leben zu erfreuen!

Also: Bis bald im Kulturbahnhof – wir freuen uns auf Sie!

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