Endlich fand am 15. Oktober 2021 - nach dem Totalausfall von praktisch allen kultureller Präsenzveranstaltungen - wieder der exklusive Abend für die Mitglieder des Fördervereins Kulturbahnhof Cloppenburg e.V. statt. Der Vorsitzende Holm Diedrichs berichtete vor dem nahezu voll besetzten Parkett im Theatersaal über Kultur im Jahr der Pandemie.  

 

Liebe Mitglieder im Förderverein, liebe Freunde und Gäste des Kulturbahnhofs,

ich begrüße Sie heute besonders herzlich zum Fördererabend 2021 im Kulturbahnhof Cloppenburg, der zuletzt 2019 stattgefunden hat und im letzten Jahr aus bekannten Gründen ausfallen musste. 

In Deutschland haben – vor Corona - in der Spielzeit 2018/2019 rund 20,3 Millionen Menschen eine der 66.000 Theater-, Tanz- oder Opernveranstaltungen besucht. Im Schnitt lag die Besucherzahl bei 308 Besuchern pro Veranstaltung.

Was meinen Sie: 

Wie viele Menschen haben 2019 schätzungsweise den Kulturbahnhof besucht?

Vergessen Sie jetzt mal die täglichen Gäste in der Kulturkneipe – nehmen Sie nur die Veranstaltungen, die hier stattfinden vom Kulturforum, den Jazz- und Blues-Freunden, Theater-Veranstaltern wie der Studiobühne und der Theaterwerkstatt, Ausstellungen in der Kunsthalle und andere, darunter auch private Veranstaltungen.

Tatsächlich hatten wir vor der Pandemie über 10.000 Besucher und Gäste im Kulturbahnhof!

Der Löwenanteil der Besucher entfiel auf die Veranstaltungen der Jazz- und Bluesfreunde und auf die Ausstellungen in der Kunsthalle.

Theoretisch war – bezogen auf unsere rund 35.000 Einwohner in Cloppenburg – fast jeder 3. Einwohner im Kulturbahnhof, bzw. 6% aller Menschen im Kreis Cloppenburg haben den Kulturbahnhof besucht. Der KuBa ist eine von 809 öffentlichen Spielstätten in Deutschland - noch dazu im ländlichen Raum, haben aber bei den Teilnehmerzahlen noch Luft nach oben.

Corona hat die Erfolgsgeschichte des „KuBa“, die 2015 begonnen hat, im März 2020 brutal abgewürgt. Allen politischen Bekenntnissen zum Trotz, dass Kultur lebensnotwendig sei, kam das kulturelle Leben nicht nur im Kulturbahnhof, sondern in ganz Deutschland praktisch zum Erliegen.

Tatsächlich rechnet man in Deutschland für 2021 in der Kultur- und Kreativ-Wirtschaft mit einem Umsatzverlust von mehr als 30 Milliarden Euro.

Die Kulturschaffenden haben natürlich versucht, den völligen Stillstand, Untätigkeit und Arbeitslosigkeit zu vermeiden. Schon kurz nach dem Beginn des Lockdown im März 2020 überraschte in Florenz Maurizio Marchini seine Nachbarn, als er die Arie „Nessun dorma“ aus Puccinis Oper „Turandot“ von seinem Balkon schmetterte. 

Dabei wurde er direkt über das Internet auf Smartphones, Tablets, Laptops und Computer in die ganze Welt übertragen.

Seither hat sich die Kultur stark digitalisiert. Die kulturellen Streaming-Angebote auf YouTube und anderen Medien sind praktisch explodiert. Jede Woche wird im Netz über die neuesten kulturellen Highlights im digitalen Raum berichtet.

Auch der Förderverein hat Ende 2020 eine digitale Video-Aktion mit 14 Künstlern aus dem Nordwesten mit dem Kulturforums veranstaltet. Ein Experiment. Aber der Kulturbahnhof sollte auch im Lockdown im Bewusstsein der Menschen bleiben. Gleichzeitig wollten wir regionalen Künstlern die Gelegenheit geben, wieder auf einer Bühne aufzutreten.

So sind für jeden Sonntag im Advent, für den 1. Weihnachtstag und den Neujahrstag 6 Videos von jeweils etwa 25 Minuten Dauer entstanden. 

Mit unserem Newsletter, über die Webseite und Soziale Medien wie Facebook, Instagram und Co haben wir diese Videos bekannt gemacht. Was meinen Sie:

Wie viele Menschen haben wir mit der Video-Aktion über digitale Medien erreicht?

Digitale Medien haben den Vorteil, dass man jeden Klick, jeden Nutzer und jeden Abruf eines Videos registriert. Wir wissen also ganz genau wie viele Nutzer unsere Informationen und die Videos gelesen und gesehen haben. Bei den Video-Abrufen haben wahrscheinlich sogar mehrere Menschen gleichzeitig zugeschaut.

Von Dezember 2020 bis März 2021 wurden genau sage - und schreibe - 19.902 Nutzer registriert. Weil die Videos noch immer abrufbar sind, wächst die Zahl der Nutzer immer noch.

Auch über die Tages- und Wochen-Zeitungen haben wir mit Berichten zur Video-Aktion über 20.000 Haushalte in unserer Region erreicht.

Insgesamt haben wir weit über 40.000 Menschen mit unserem Experiment etwas Kultur nach Hause gebracht in einer Zeit, als die Kultur praktisch am Boden lag. Die Kosten der Aktion lagen mit 11 Cent pro Nutzer ausgesprochen niedrig. Auch auf der gestrigen Mitgliederversammlung wurde diese Aktion als gute Investition bezeichnet. 

Sollten wir künftig Kultur auch digital anbieten?

Ich sage: Ja, weil wir gerade über die Sozialen Medien viele Menschen erreichen, die bisher nicht ins Theater gehen. Wenn sie erkennen, dass im Kulturbahnhof etwas geboten wird, das sie interessiert, finden sie leichter Zugang zum Theater und zur Kunsthalle.

Kunst und Kultur haben immer auch einen sozialen Aspekt. Eine audio-visuelle Darbietung, die „on-demand“ verfügbar ist, mag manchem genügen. Aber Kultur ist stets auch ein soziales Erlebnis – und dazu gehören andere Menschen ebenso wie der Aspekt des Unmittelbaren!

Kultur ist und bleibt Teil eines gemeinsamen Erlebnisses. Deshalb bevorzugen wir den Besuch im Kulturbahnhof vor dem Streamen eines Videos auf unserem Computer und freuen uns auf ein Konzert der Jazz-und Bluesfreunde, selbst wenn wir 24 Stunden am Tag an 7 Tagen die Woche die gleiche Musik auf unserem Smartphone hören könnten. 

Alle Kunst ist der Freude gewidmet“, hat Friedrich Schiller gesagt.

Ich denke, wir alle freuen uns heute, weil die aktuelle Corona-Verordnung wieder volle Säle bei Kulturveranstaltungen ermöglicht, auch wenn einige Menschen noch zögern, ins Theater zu gehen.

Wir freuen uns heute Abend auch auf den Großmeister des Absurden, einen Darsteller, der kaum Worte braucht, einen begnadeten Schauspieler, der in 40 Ländern aufgetreten ist, der über 200 Shows im Jahr macht und mehr als 20 internationale Auszeichnungen erhalten hat. Für mich ist er tatsächlich mehr als der beste Clown der Welt!

Endlich ist er in Cloppenburg! Gerade für uns um 18 Uhr angereist aus St. Gallen in der Schweiz. Begrüßen Sie Peter Shub zu seiner Solo-Show 

„Für Garderobe keine Haftung – Reloaded“

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