Auch in Cloppenburg ist das kulturelle Leben praktisch nicht mehr da. Corona macht Kultur im Theater unmöglich! Schritt für Schritt werden Kultureinrichtungen, die seit Wochen geschlossen waren, wiederbelebt.

Ein Anlass für Holm Diedrichs, Vorsitzender vom Förderverein Kulturbahnhof Cloppenburg e.V., nachzufragen: Wie steht es derzeit mit der Kultur in Cloppenburg? Wie geht es weiter? Was wird sich verändern?

Eine Interview-Serie für alle, die gern hinter die Kulissen von Kunst und Kultur schauen.

 Wer könnte die Kunst besser in der Öffentlichkeit vertreten als ein Künstler, der weiß, wie Kunst aus Planung und Arbeit entsteht, was Kunst für die einzelnen Menschen bedeutet? In Cloppenburg haben wir Glück, Frau Mechthild Antons als Vorsitzende des Kulturforums zu haben, denn sie ist selbst eine erfolgreiche Malerin, nachdem sie ihre Lehrtätigkeit  beendete. Der Initiator des Kulturbahnhofs, Dr. Klaus Weber, fragte sie vor Jahren, ob sie Interesse am Vorsitz des Fördervereins habe. Frau Antons sagte spontan zu.

So habe ich sie auch als ihr Nachfolger im Förderverein kennengelernt: Innovationsfreudig, entscheidungsstark und multitaskingfähig! Eigenschaften, die der Kultur in Cloppenburg in jeder Spielzeit neue Impulse geben.

Gerade jetzt, in Zeiten von Corona befindet sich die Kultur jedoch im Tal der Tränen. Daher habe ich Mechthild Antons gefragt, was nun Sache ist und wird:

Wie erleben Sie die Stadt im Moment?

Wenn ich durch die Stadt gehe, sei es zum Einkaufen auf dem Wochenmarkt oder einfach bei einem Stadtbummel, sehe ich viele Menschen, die das schöne Wetter der letzten Zeit genießen. Überwiegend halten sie m.E. die vorgeschriebenen Regeln ein. Ich selbst habe auch das Gefühl, dass wir hier in unserer beschaulichen Kleinstadt nicht allzu stark unter den allgemeinen Kontaktbeschränkungen zu leiden haben. Man trifft zunehmend mehr Leute und bei allen spürt man, dass sie die Rückkehr zur Normalität herbeisehnen.  

Welche Herausforderungen gibt es für Sie als Vorsitzende des Kulturforums?

Wenn das kulturelle Leben in Cloppenburg von einem auf den anderen Tag quasi auf Null gestellt wird, dann ist das für alle Kulturschaffenden eine Katastrophe. Das, was im Kulturforum mit viel Herzblut und enormem ehrenamtlichem Engagement der Mitglieder an Kulturarbeit geleistet wird, scheint es plötzlich nicht mehr zu geben.

In erster Linie waren in den vergangenen Monaten die Absagen der  geplanten Veranstaltungen eine besonders  traurige Herausforderung. Wir hatten keine konkreten Aussagen der zu erwartenden Beschränkungen und haben uns anfangs von Termin zu Termin gehangelt. Schließlich die Entscheidung zur endgültigen Absage einer Veranstaltung zu treffen, fällt wohl jedem Veranstalter schwer. Hinzu kommen die Verhandlungen mit den bereits verpflichteten Künstlern. Termine müssen neu geplant werden, bestehende Verträge umgestaltet oder neu abgeschlossen werden. Und das alles mit der weiterhin bestehenden Planungsunsicherheit. Wir beobachten intensiv die Lockerungsentwicklungen. Ich denke aber, dass es in den Kultureinrichtungen noch lange keinen normalen Spielbetrieb  geben kann.

Natürlich wollen wir möglich machen, was möglich ist, und das stellt die derzeit größte   Herausforderung dar. Abstands- und Hygienekonzepte  müssen entwickelt  werden,  finanzielle Risiken abgewogen werden. Finanzielle Mehrbelastungen, z.B.  durch Hygienemaßnahmen oder steigende Preise bei den Künstlergagen müssen einkalkuliert werden. Und ganz nebenbei  ist da natürlich noch die laufende Unterhaltung des Gebäudes zu managen. Außerdem  gilt es noch die im März abgesagte Mitgliederversammlung so bald wie möglich nachzuholen.

Wie geht es weiter?

Ja, wenn jemand dazu eine verbindliche Aussage machen könnte, wären wir froh. Die Planungen sind in vollem Gang, begleitet von vielen Unwägbarkeiten. Wie gesagt, die Planung für die kommende Spielzeit 2020/2021 steht. Es soll, wenn möglich, im September dieses Jahres wieder losgehen. Unser  Kulturfest „5-Jahre Kulturbahnhof“, das ja auch dem Corona-Virus zum Opfer gefallen ist, soll im kommenden Jahr stattfinden. Dass die meisten  Entscheidungen aber sicherlich nur sehr kurzfristig getroffen werden  können, ist uns schon bewusst. Wann und wie es im Kulturbereich wieder Normalbetrieb gibt, ist noch völlig unklar. Und ich befürchte, dass dies noch eine ganze Zeit andauern wird.

Was bewegt das Publikum (des Kulturbahnhofs)?

Ich werde häufig gefragt:“ Was macht denn der Kulturbahnhof?“ Viele Besucher warten darauf, dass es wieder kulturelle Angebote gibt. Der Abend im Theater, im Konzert, im Kabarett  oder einfach  in der Kulturkneipe fehlt den meisten. Das soziale Miteinander bei einem Glas Bier oder Wein in geselliger Runde vermissen viele. Der Fernseher ist kein adäquater Ersatz. Selbst Angebote in digitaler Form können das Kulturerlebnis nicht annähernd ersetzen. Kultur lebt vom Miteinander und von der Interaktion zwischen Künstler und Publikum.

Wie sieht es bei den Künstlern aus, die wir demnächst in KuBa sehen werden?

Freischaffende Künstler und Künstlerinnen sind von der Corona-Krise arg gebeutelt, teilweise sind sie sogar existentiell bedroht. Staatliche Hilfen laufen nur schleppend an, und für einige ist die Antragstellung auf Unterstützung schwierig, weil sie oft keine betrieblichen Fixkosten angeben können. Viele leben von der Hand in den Mund. Aber alle sind kooperativ und sehr verständnisvoll und versuchen mit uns gemeinsam diese Ausnahmesituation zu meistern. Sie nutzen die Zwangspause für Streaming-Programme, obwohl diese finanziell oft nichts oder nur wenig einbringen. Oder sie arbeiten an neuen Texten und Programmen.  Lebenskünstler halt!

Wie wird sich die Kulturszene in Cloppenburg verändern?

Ich hoffe, dass wir im Laufe der kommenden ein bis zwei Jahre (vorsichtig geschätzt!) wieder die bunte kulturelle Vielfalt in Cloppenburg haben werden wie vor dem Lockdown. Großveranstaltungen wird es sicherlich auf lange Sicht nicht geben. Ob die Besucher zunächst zurückhaltender sein werden, ist schwer vorherzusagen. Die Krux liegt ja darin, dass die Entwicklungen bei der Beherrschbarkeit dieses Virus noch nicht absehbar sind. Ich sehe jedoch eine Chance darin, dass vielen Besuchern und auch Entscheidungsträgern die Wichtigkeit von Kulturangeboten und deren Förderung deutlich geworden ist. Und dass Kulturerlebnisse vielleicht sogar bewusster wahrgenommen werden.

Wie gehen Sie privat mit der Krise um?

Ich selbst empfinde die Einschränkungen nicht so gravierend wie vielleicht andere. Mein Mann und ich sind nicht mehr im aktiven Arbeitsleben, unsere Kinder stehen auf eigenen Füßen. Ich bin also weder von Home-Office, Home-Schooling oder Kurzarbeit betroffen. Da kann ich mich glücklich schätzen. Natürlich halte ich mich an die bestehenden Beschränkungen und vermisse so langsam die sozialen Kontakte ohne Einschränkungen. Langeweile kommt aber nicht auf. Es gibt immer etwas zu tun und wir leben ja zum Glück „auf dem Land“. Naherholungsgebiete sind hier wirklich nah und das Wetter meint es gut mit uns. Ich genieße unseren Garten, Fahrradtouren mit meinem Mann, Zeit zum Malen oder die Muße für ein gutes Buch. Obwohl ich der Meinung bin, dass die Einhaltung von genügend Abstand untereinander am wichtigsten ist, freue ich mich darauf, wenn die Kontaktbeschränkungen weiter gelockert werden können. Das Wort „Infektion“ ist momentan allgegenwärtig, aber „Lachen ist auch ansteckend“!

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