Nach Monaten treten die Musiker von  "Albers Ahoi!" wieder auf - was bewegt sie und worauf können sich die Besucher am 4. September 2020 beim Auftritt im Museumsdorf freuen?

Seit Monaten mussten wir auf Kulturdarbietungen weitgehend verzichten. Corona hat die Kultur getroffen und erst seit dem Sommer sind kulturelle Veranstaltungen wieder möglich.

Ein Anlass für Holm Diedrichs, Vorsitzender vom Förderverein Kulturbahnhof Cloppenburg e.V., nachzufragen: Was macht das mit den Künstlern? Wie geht es weiter? Worauf dürfen wir uns freuen, wenn „Albers Ahoi!“ nach Cloppenburg kommt?

Eine Interview-Serie für alle, die gern hinter die Kulissen von Kunst und Kultur schauen.
Freuen Sie sich auf die flotte Gute-Laune-Musik von und mit "Albers Ahoi" und einem Überraschungsgast!

Am 4. September - 6 Monate nach dem Beginn der Corona-Pandemie - findet der open-air Auftritt von „Albers Ahoi!“ in Cloppenburg statt. Wie ist es Euch in dieser Zeit ergangen?

Erstmal gut, denn wir sind alle gesund geblieben. Aber natürlich haben wir die Auswirkungen von Corona auf die Kultur deutlich zu spüren bekommen. Wir haben die Zeit zum Proben neuer Stücke und auch zum Einarbeiten neuer Kollegen genutzt.

Wie war die Stimmung der Leute in Hamburg und wie hat sich das Verhalten der Menschen verändert?

Die Situation war ja für alle neu. Nachdem der erste Hamster-Wahnsinn vorbei war, konnte man bei den meisten Hamburger*innen dann doch einen Sinn für Gemeinschaft und miteinander erleben. Idioten gibt es allerdings auch hier.

Für viele Künstler waren die letzten Monate wirtschaftlich katastrophal – wie seid Ihr über diese Zeit hinweggekommen?

Insgesamt hatten wir über 40 Absagen. Darunter allerdings auch Verschiebungen ins nächste oder sogar übernächste Jahr. Wir konnten als solo-selbstständige Künstler teilweise staatliche Hilfen beantragen und haben einige virtuelle Auftritte absolviert. Darunter auch zwei eigene Online-Konzerte, bei denen die Zuschauer über unsere Homepage spenden konnten. Das war allerdings nur ein Tropfen auf den heißen Stein. 

Was hat Euch – außer der Gage – am meisten gefehlt? Habt Ihr eventuell an neuen Liedern gearbeitet, komponiert und geübt?

Ja, erstmal mussten wir unseren neuen Schlagzeuger einarbeiten. Dann haben wir fleißig an unserem neuen Programm geschraubt. Jetzt, wo wir die ersten Male wieder live gespielt haben, fiel uns auf, wie sehr uns all die Aufregung vor einem Konzert, das Gemurmel des eintrudelnden Publikums, der Applaus, die glücklichen Gesichter gefehlt haben. Die Online-Konzerte haben schon auch Spaß gemacht, aber das direkte Feedback vom Publikum, schunkelnde Menschen (Mitsingen ist bisher immer noch verboten) sind doch ein wesentlicher Bestandteil unseres Berufes.

Eure Liedertexte habt Ihr in den letzten Monaten sicher nicht verlernt, aber wie seid Ihr überhaupt auf Hans Albers gekommen?

Mein Großvater ist zur See gefahren und hat mir als Kind all die Lieder vorgesungen. Erst viel später hab ich Hans Albers wieder entdeckt und die Idee entwickelt, einen Konzert-Abend daraus zu machen. Dass diese Idee sich immer weiter entwickeln würde und zu so einem, mittlerweile doch recht großen, Projekt heranwachsen würde, konnte ich damals nicht ahnen. Aber die Reaktionen der Menschen auf der Straße, wo wir angefangen haben, war so gigantisch, dass wir immer drangeblieben sind. Anscheinend verbinden noch sehr viel mehr Menschen etwas mit diesen Melodien. Und spannenderweise auch nicht nur ältere Menschen, sondern quer durch alle Generationen.

Denkt Ihr, dass das Publikum für diese Lieder mit der Generation der Baby-Boomer – also der Jahrgänge 1945 – 1964 – aussterben oder werden die heute 25-Jährigen diesen Sound auch schätzen lernen?

Wir haben häufig die Erfahrung gemacht, dass bei jüngeren Menschen durch die Ankündigung nicht unbedingt das Interesse geweckt wurde. Auf der Straße aber, oder auch wenn sich jüngere Menschen mal in unsere Konzerte „verirrt“ haben, waren sie danach sehr begeistert. Mittlerweile haben wir eine tolle Fangemeinschaft, die alle Altersgruppen umfasst. Da wir nicht versuchen, Hans Albers zu kopieren, sondern immer eine frische und authentische Brise tanzbarer Polkamusik einbringen, findet jeder einen anderen Anknüpfungspunkt. Ältere Menschen erinnern sich an früher, jüngere Menschen werden sich hoffentlich später an uns erinnern. Und für Kinder sind diese Melodien oft Grund zum Mitsingen und auch Tanzen.

Was macht den Zauber der Musik von Hans Albers aus? Muss man den Draufgänger Hans Albers als Schauspieler erlebt haben, um seine Lieder zu schätzen?

Nein, Hans Albers ist nur der Interpret dieser Lieder, natürlich hat er den Liedern besonderen Zauber eingehaucht, aber es sind auch teilweise wahnsinnig virtuos komponierte Stücke. Wir machen daraus unsere eigene Musik. Hans Albers ist zwar Namensgeber unserer Band, aber mittlerweile umfasst unser Repertoire auch viele Stücke von Künstlern aus Hamburg und der ganzen Welt, wie zum Beispiel die Gebrüder Wolf, Heidi Kabel, aber auch Jacques Brel und Hildegard Knef. Wir haben auch schon Songs der Beatles, oder ABBA gespielt...

Wie seht Ihr die nächsten Monate und das nächste Jahr, wenn es um Eure Auftritte geht?

Wir hoffen, dass die Live-Kultur bald wieder richtig zum Leben erwacht. Natürlich auch, weil es unsere Leidenschaft und unser Beruf ist, aber auch weil wir bei den Menschen eine große Sehnsucht nach derlei Erlebnissen beobachten. Live-Musik, Theater, Performance, Miteinander, Füreinander. Wir hoffen sehr, dass es jetzt weiter bergauf geht. Und wir würden lieber weiter ohne Mitsingen und hinter Plexiglasscheiben und vornehmlich open-air spielen, als online und ohne Live-Publikum.

In Cloppenburg tretet Ihr zum ersten Mal auf und bringt auch einen Überraschungsgast mit. Worauf darf sich Euer Publikum freuen?

Wir spielen normalerweise nicht nur reine Konzerte, sondern verfeinern in unseren Varieté-Shows die Musik mit Artistik und Akrobatik. Eine sehr beeindruckende Kollegin wird uns nach Cloppenburg begleiten und zu einem Song ihre Kontorsionsnummer präsentieren.

Weil im Theater im Kulturbahnhof Cloppenburg nur ein Drittel der möglichen Plätze belegt werden dürfen, haben wir Euer Konzert ins Freie mit reichlich Platz für mehr Leute verlegt: Ist Euch das egal oder vielleicht sogar lieber, open-air zu spielen?

Wir haben open-air auf der Straße angefangen und spielen immer noch sehr gerne open-air. Das Problem ist eher die Distanz und das Mitsingverbot, wodurch es manchmal schwieriger ist, mit dem Publikum auf einer gemeinsamen Welle durch das Programm zu surfen. Aber damit müssen wir nun umgehen und haben auch schon ein paar andere Möglichkeiten zum Mitmachen entwickelt.

Was macht Ihr normalerweise nach einem Auftritt? Gibt es ein Ritual, feiert Ihr oder fallt Ihr einfach müde ins Bett?

Wir haben tatsächlich ein Ritual, welches wir nach jedem Auftritt pflegen: Das Sea-Dating, abgeleitet von Speed-Dating. Jeder hat 40 Sekunden Zeit, kurz zu sagen, wie der Auftritt für ihn war, was ihm besonders gefallen, oder auch was ihn gestört hat. Danach gibt es eine offene Runde. Dadurch staut sich nichts an und wir reflektieren die Auftritte auch, um uns immer weiter zu verbessern. Dabei und danach trinken wir natürlich gerne noch ein Kaltgetränk. Manchmal, wie auch in Cloppenburg, müssen wir auch noch zurückfahren, ausladen und den Bus wegbringen. Müde ins Bett fallen wir aber in jedem Fall, mal früher, mal später, aber meistens sehr beseelt.

Gibt es eine Botschaft an das Publikum in Cloppenburg, die Sie auf diesem Weg übermitteln wollen?

Wir freuen uns wie Bolle auf Euch!!!

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für meine Fragen genommen haben! 

Wir freuen uns sehr auf Ihren Auftritt – viele Grüße an Ihre Kollegin und Ihre Kollegen!

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