Über 100 Jahre Geschichte

Der Bahnhof Cloppenburg war im 19. Jahrhundert der Verkehrsknotenpunkt im Oldenburger Münsterland. Vor allem landwirtschaftliche Güter wurden umgeschlagen und in die rheinisch-westfälischen Industriegebiete transportiert. Besonders wichtig war die Strecke vor allem für Kohlezüge aus dem Ruhrgebiet zum Marinehafen Wilhelmshaven. 

1875 wurde das heutige Bahnhofsgebäude durch die Großherzogliche Oldenburgische Eisenbahn (GOE) als Bahnhof 2. Klasse mit Stationsgebäude, Abort und fünf Wärterhäuschen an den Bahnübergängen errichtet. Erweitert wurde er 1913 durch eine pavillionartige Gleisunterführung und 1916 durch die Bahnsteigüberdachung. Bis 1970 stand links vom Bahnhof auch ein Wasserturm, mit dem die Dampfloks versorgt wurden. 

Links vom Bahnhofsplatz befand sich von 1899 bis 1953 die Endstation der Cloppenburger Kleinbahn „Pingel Anton“. Diese führte als Schmalspurbahn über eine Strecke von 29 km bis zur ehemaligen preußischen Landesgrenze bei Lindern-Auen. 

Im Laufe der Jahre wurde der Bahnbetrieb zwar beibehalten, am Gebäude selbst nagte allerdings der Zahn der Zeit. Doch es gab aufmerksame Bürger in Cloppenburg, die das denkmalgeschützte Gebäude vor dem Verfall retten wollten. 

Kultur in Cloppenburg

Da es in Cloppenburg zwar bereits seit 1991 eine Stadthalle für kulturelle Veranstaltungen mit einer Kapazität von 760 bis zu 1500 Besuchern gab, fehlten dennoch kleinere Bühnen für Kleinkunst, Laienspielgruppen, Chöre, etc. 

Der damalige Vorsitzende des Kulturforums Cloppenburg, Dr. Klaus Weber, griff den Gedanken von Toni Bösterling auf, das zusehends verfallende Bahnhofsgebäude zu einem Kulturbahnhof umzubauen. 

Somit konnte neben dem Bestreben, das historische Baudenkmal zu erhalten noch ein weiteres Ziel verfolgt werden. Die Vernetzung der Kultur in Cloppenburg unter dem soziokulturellen Ansatz des Nutzungskonzepts: „Kultur für alle!“ 

Die Planung und Umsetzung erstreckte sich von Anfang 2012 bis zur Fertigstellung und Eröffnung am 19. Juni 2015. Finanziert wurde das Projekt maßgeblich durch einen Zuschuss der Stadt Cloppenburg, Landes- und Europamittel, Zuwendungen aus Stiftungen von Banken und Sparkassen. Im Januar 2013 wurde der Förderverein Kulturbahnhof Cloppenburg e.V. gegründet, um das Projekt auch durch dessen Mitglieder und viele weitere Sponsoren finanziell und ideell zu unterstützen. 

„Gemeinsam etwas bewegen!“ – so das Leitmotiv des Fördervereins. Mit vielen Aktionen, in denen die wachsende Begeisterung bei vielen Kulturinteressierten in Cloppenburg und auch über die Stadtgrenzen hinaus geweckt wurde, konnte das Projekt schließlich realisiert werden.  Entstanden sind:

  • ein multifunktional konzipierter Theatersaal mit bis zu 163 Sitzplätzen 
  • eine Kulturkneipe 
  • eine Kunsthalle 
  • Büroräume (derzeit Sitz des Heimatbundes Oldenburger Münsterland) 
  • ein Bahnschalter der Nordwestbahn 

Unter der Trägerschaft des Kulturforums Cloppenburg e. V., dessen Vorsitz Dr. Klaus Weber im Februar 2016 an Mechthild Antons abgab, wird der Kulturbahnhof mit viel ehrenamtlichem Engagement geführt. Er hat sich seither zu einem Ort entwickelt, der das kulturelle Leben in der Stadt Cloppenburg mit Veranstaltungen unterschiedlichster Art bereichert.

Erinnerungen in Wort und Schrift

Bei der Transformation des alten Bahnhofs von Cloppenburg spielten einzelne Menschen eine besondere Rolle, weil sie früher als andere eine Vision hatten, was man aus dem verfallenden Gemäuer für die Stadt Cloppenburg und seine Bürger machen könnte. Zu diesen Menschen gehörte Antonius Bösterling, Landschaftsarchitekt und Mitglied im Vorstand des im Jahr 2003 gegründeten Kulturforums. Er machte bereits 2009 den Vorschlag, den Versuch zu unternehmen, den verfallenden denkmalgeschützten Bahnhof zum Kulturbahnhof umzuwandeln. Der Vorsitzende, Dr. Klaus Weber, Rechtsanwalt und Notar, griff diese Idee sogleich auf und setzte seine ganze Energie und Überzeugungskraft ein, um diese Vision schließlich Realität werden zu lassen. Der Weg von der Idee zur Machbarkeitsprüfung, von dort zum Konzept und vom Konzept zur Umsetzung war jedoch lang und steinig – wie könnte es auch anders sein…
Der 1875 erbaute „Bahnhof zweiter Klasse“ befand sich im Besitz der Deutschen Bahn und so musste zunächst dort geklärt werden, ob sich die Bahn gegebenenfalls für einen Verkauf des Bahnhofs bereitfinden würde. Dazu machte sich das Team Weber/Bösterling auf den Weg zu verschiedenen Kulturzentren und Theatern, um deren Konzepte und Anforderungen für einen erfolgreichen Kulturbetrieb kennen zu lernen. Die Kulturvereine und Kulturschaffenden wurden intensiv befragt, um deren Wünsche und Vorstellungen hinsichtlich geeigneter Probenräume, Bühnen- und Ausstellungsflächen zu ermitteln. Schon bald zeigte sich durch die Analysen, dass eine multifunktionale Veranstaltungsstätte auf große Nachfrage und Zustimmung trafen. So entstand das Grobkonzept mit einer Kostenschätzung für die Umgestaltung zur künftigen Nutzung. Auf dieser Basis konnten die Gespräche mit dem Eigentümer, der Deutschen Bahn beginnen. Die Entscheidung zum Verkauf des Bahnhofs war zwar schon nach den ersten Gesprächen gefallen, jedoch mussten mit verschiedenen Bahngesellschaften recht mühsam verhandelt werden. Als schließlich alle relevanten Stellen einverstanden waren, musste auch noch das Eisenbahn-bundesamt seine Einwilligung erteilen. Dann war endlich der Weg frei!
Zur positiven Entscheidung seitens der Verantwortlichen hatte neben dem Erhalt des Baudenkmals auch der soziokulturelle Ansatz des Konzepts überzeugen können: Unter dem Motto „Kultur für alle!“ entstand in Zusammenarbeit mit dem Architekten Georg Wieghaus das erste soziokulturelle Projekt, das den Bahnhof zur gemeinnützigen Kulturstätte in den Dienst der Allgemeinheit stellen sollte. Der Bahnhof sollte eine neue Heimat für rund 60 Kulturinitiativen, Kulturvereine und Kulturschaffende und deren Veranstaltungen werden. Darüber hinaus sollten Schulen, Bildungseinrichtungen für Erwachsene, Vereine für Kinder und Jugendliche ebenso eingebunden werden wie die zahlreichen Mitbürger aus vielen verschiedenen Ländern. Schließlich wurden seitens der Initiatoren immer wieder darauf hingewiesen, dass ein solcher Kulturbahnhof ein „weicher Ansiedlungsfaktor“ sei, also ein möglicher Grund für Firmen und Institutionen, aber auch für andere Bürger sich in Cloppenburg niederzulassen Das Konzept für den Kulturbahnhof sah eine Dreiteilung vor: Einen Theaterbereich sowie eine Ausstellungshalle, die durch ein Bistro mit eigener kleiner Bühne verbunden sind.
Nachdem der Verkauf des Bahnhofsgebäudes zum Preis von 100.000 Euro mit der Deutschen Bahn ausgehandelt war, wurde das Projekt dem Stadtrat vorgestellt. War man dort froh, dass dieser Ankauf ein weiteres kulturelles Zentrum in Cloppenburg ermöglichen sollte? Nein: Der Stadtrat sowie offenbar auch Teile der Bürgerschaft waren gespalten. Das Vorhaben wurde von vielen als Konkurrenz zur Stadthalle gesehen, die Raum für 700 Gäste bietet und bereits sehr gut von der Bevölkerung angenommen wurde. Die Ausrichtung des Kulturbahnhofs auf Veranstaltungen im kleineren Rahmen von 100 bis 150 Besuchern und als Bühne für die Vereinswelt in Cloppenburg wurde zunächst nicht verstanden, bzw. der Bedarf wurde nicht erkannt. Im Stadtrat, der die erforderlichen Mittel bewilligen sollte, war die CDU als stärkste Partei mehrheitlich gegen das Projekt und hatte für die Abstimmung sogar Fraktionszwang angeordnet. Schließlich kam es jedoch zur geheimen Abstimmung, die den Weg dann doch frei machte und die beantragte Summe von 1,1 Mio. Euro wurde bewilligt. 2012/13 erfasste der zunehmende Bau-Boom auch den Nordwesten und steigende Nachfrage führte zu höheren Baukosten. Deshalb musste der Stadtrat erneut über einen Zusatzbetrag von 200.000 Euro entscheiden, was mit knapper Mehrheit auch gelang. Doch auch dieser Betrag war zu knapp und so musste kurz vor der Eröffnungsfeier nochmals ein Antrag auf 220.000 Euro gestellt werden. Diesmal enthielt sich zwar die CDU-Fraktion der Abstimmung, doch wurden 202.000 Euro schließlich genehmigt. Insgesamt hat sich die Stadt also mit stolzen 1,5 Mio. Euro an den Gesamtkosten des Projekts Kulturbahnhof Cloppenburg in Höhe von 2,7 Mio. Euro beteiligt.
Das Kulturforum musste also noch weitere 1,2 Mio. Euro auftreiben, um die Umsetzung zu ermöglichen. Diese Mittel einzuwerben war vor allem die Aufgabe von Dr. Klaus Weber und später auch von Frau Mechthild Antons, die dem neu gegründeten Förderverein als Vorsitzende beitrat. Potentielle öffentliche wie auch private Geldgeber wurden persönlich angesprochen. Mit der Unterstützung des Landtagsabgeordneten Clemens gr. Macke gelang es, die damalige Kultusministerin Frau Prof. Dr. Johanna Wanka für das Konzept des Kulturbahnhofs zu begeistern. Sie besichtigte persönlich den baufälligen Bahnhof zusammen mit Markus A. Müller, dem Generalintendanten des Oldenburger Staatstheaters. Beide waren von der Idee begeistert und setzten sich deshalb für die Gewährung von Landesmitteln in Höhe von 140.000 Euro für den Kulturbahnhof ein. Diese Zusagen motovierten schließlich die regionalen Banken zu größeren Zuwendungen; auch namhafte Unternehmer beteiligten sich mit höheren Beträgen. Wirklich beeindruckend war die Spendenbereitschaft von Bürgern in und außerhalb von Cloppenburg, die u. a. in einer Spende des Rotary Clubs Cloppenburg-Quakenbrück über 20.000 Euro sichtbar wurde. Der Förderverein unter der Leitung von Mechthild Antons hatte die zündende Idee einer Stuhlpatenschaft: In kurzer Zeit hatte jeder der 150 Stühle im Theater einen „Patin oder Paten“, der das Projekt mit 150 Euro unterstützte. Auch das „Fest der Kulturen“ im Museumsdorf wurde von den Besuchern sehr gut angenommen und mit Spenden von über 5.000 Euro honoriert. Der Förderverein hat den Kulturbahnhof mit seinen fast 200 Mitgliedern neben ideeller und materieller Unterstützung finanzielle Mittel von inzwischen rund 150.000 Euro eingeworben und gespendet. Erfreulicherweise erhielten wir Zusagen zur unentgeltlichen Übernahme der Hausverwaltung seitens der Fa. Borchers und der steuerlichen Betreuung durch die AWL Steuerberatung. Für das Bistro konnte Peter Blase als Pächter gewonnen werden, der als langjähriger Wirt der Kulturkneipe „Briefkasten“ neben reichhaltiger Erfahrung auch regelmäßige Jazz- und Bluesveranstaltungen in den Kulturbahnhof brachte. Diese Veranstaltungen ziehen häufig viele begeisterte Fans aus ganz Europa an, die so den Weg nach Cloppenburg finden. Die laufenden Kosten für den Betrieb des Kulturbahnhofs sind dank vieler ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer überschaubar und sind durch Mieteinnahmen gedeckt. Mieter sind die Nordwestbahn, der Heimatbund für das Oldenburger Münsterland, die Kulturkneipe und viele Unternehmen und Privatpersonen als Mieter des Theaterraums.
Als im Herbst 2013 die Sanierungs- und Umbauarbeiten begannen, wurden durch hohe Anforderungen an die Statik der Dachkonstruktion und durch die vorgeschriebenen Brandschutzmaßnahmen und durch hohe Aufwendungen für Lärmschutz teurer als geplant. Darüber hinaus gab es nachfragebedingte Preiserhöhungen von fast 20 Prozent, weil ganz Deutschland von einem Bauboom erfasst wurde. Infolge dieser Kostensteigerungen mussten die Pläne für den Umbau des Güterschuppens zur neuen Kunsthalle zunächst aufgegeben werden. Dank eines Hinweises des Landtagsabgeordneten Clemens große Macke konnten jedoch kurzfristig EU-Mittel beantragt werden. Der Antragsteller musste aber die gleiche Summe wie beantragt nochmals selbst aufbringen. Das war dank vieler großzügiger privater Spender glücklicherweise möglich, sodass der gesamte Gebäudekomplex mit der lichtdurchfluteten KunstHalle saniert und seiner neuen Bestimmung als Kulturbahnhof zugeführt werden konnte.
Nach fast 2-jähriger Bauzeit feierte man am 19.06.2015 die festliche Einweihung in Anwesenheit der Kultusministerin, des Landrats, des Bürgermeisters und zahlreicher Honoratioren aus Politik und Wirtschaft und mit den Vereinen und Bürgern von Cloppenburg. Ein Umzug mit hunderten Mitliedern der Musik- und Kulturvereine durch die Stadt endete am Kulturbahnhof, wo ein buntes Veranstaltungsprogramm für Jung und Alt für tolle Stimmung sorgte. Die Anlaufphase brachte mit Kabarett, plattdeutschem Theater, Rudelsingen, Zirkus und Varieté, Kindertheater, mitreißendem Bigband-Sound und einer Kunst-Auktion buchstäblich Leben in die Bude! Auch die KunstHalle hat von 2015 bis Ende 2020 bereits 25 Künstlerinnen und Künstler mit ihren Werken ausgestellt, die von mehr als 50.000 Besuchern besichtigt wurden. Die Investition von 2,7 Mio. Euro war eine bedeutende Investition in unsere Gesellschaft, denn damit wurde die Kreativität der hiesigen Vereine und Kulturschaffenden gefördert. Kunst und Kultur sind für jeden einzelnen Menschen eine wichtige Lebensgrundlage. Der Kulturbahnhof fördert Jahr für Jahr Dank starkem ehrenamtlichen Engagement das kulturelle Leben in unserer Region und teilweise weit darüber hinaus. Erkennbar wird das u.a. in den Besucherzahlen: Deutlich über 10.000 Gäste zählt der Kulturbahnhof in jedem Jahr mit steigender Tendenz. Die kulturelle Infrastruktur in Cloppenburg ist durch den Kulturbahnhof bereichert worden. Er ist zu einem soziokulturellen Zentrum geworden, wo kulturelle Arbeit und kulturelle Bildung stattfinden. Der Kulturbahnhof Cloppenburg trägt als Kunst-, Kultur- und Begegnungsstätte zu einer lebenswerten und attraktiven Region bei.

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